Auch früher ein Muss - Die Schule
Das Schulhaus in der Nähe der Kirche (heute Privathaus der Fam. Jung mit Kreissparkasse) war zunächst Lehrstätte für alle Kinder des Ortes. Kurz nach der Jahrhundertwende, als die katholische Schule "im Eck" (heute Friseursalon Koch) errichtet worden war, kam es zur erneuten konfessionellen Trennung. Im Jahre 1937 hoben die Nationalsozialisten diese Trennung wieder auf und erzwangen die Einheitsschule.
Vom Schulunerricht ausgeschlossen wurden ein Jahr danach die jüdischen Kinder. Anfang 1946 zogen die Katholiken wieder in ihre Schule.
Ab 1964, mit der Einweihung der neuen Volksschule, hatte die konfessionelle Unterteilung endgültig ausgedient. Zwar war man auch im neuen Schulgebäude zunächst noch in getrennten Klassen, aber immerhin wieder unter einem Dach.
Während die katholische Schule nur einklassig war, wurde die größere Anzahl evangelischer Kinder in zwei Klassenräumen unterrichtet. Damit die Schülerinnen und Schüler im Winter allenfalls aus Angst vor dem Lehrer, aber nicht vor Kälte zitterten, hatte jede Familie die Aufgabe, rechtzeitig Schulholz aus dem Wald abzufahren. Im Winter mussten die armen Schüler Montags, Dienstags und Donnerstags auch noch am Nachmittag bis 16:00 Uhr die harte Schulbank drücken.
Stocktanz und ausgerissene Ohrringe
Gnadenlos nutzte mancher Lehrer seine dominierende Stellung aus. Mit langem Stock sorgte er für Disziplin. Heute, im Rückblick, drängt sich der Eindruck auf, dass auch schon mal zur eigenen Befriedigung des Lehrers geprügelt wurde. Ohnehin scheint es beim Prügeln vorrangig die Kinder ärmerer Familien getroffen zu haben. Lehrer Peiter hat mehrfach Ohrringe, die er den Mädchen aus geringem Anlass vom Ohr gerissen hatte, wieder löten lassen müssen. Clevere Schüler rieben die geschlagenen Finger zusätzlich mit Zwiebeln ein, mit dem Erfolg, dass diese dann schön dick wurden und an Schreiben nicht mehr zu denken war.
Trafen die Kinder ihren Lehrer im Ort, hatten die Mädels ehrfürchtig einen Knicks zu machen und die Jungs die Mütze zu ziehen. Sorgsam achteten die Lehrpersonen darauf, dass ihre Schützlinge zeitig von den Dorfstraßen verschwunden waren. Mit einem Gebet und danach mit Gesang begann der tägliche Unterricht in den beiden Schulen. Im Winter wagte man sich auch an Theatervorführungen.
Erholung, zumindest von der Schule, gab es natürlich in den Ferien: Heuferien im Sommen, Kartoffelferien im Herbst, Weihnachtsferien und Osterferien. An Ostern begann und endete auch jeweils ein Schuljahr.
An schultagen war der Nachmittag mitnichten den Hausaufgaben vorbehalten. Man musste mithelfen auf Feld und Flur. Im Juli gingen die Kinder zum "Wäälebresche" in den Wald.
Vor der Jahrhundertwende schickte man vielfach die Kleinen zur Kartoffelernte nach Weitersbach. Die Eltern waren froh, wenn die Kinder auf diese Weise etwas zum Lebensunterhalt beitragen konnten. Als Lohn von den Bauern gab es abends beim Nachhausegehen eine Schürze voller Kartoffeln. In jener Zeit schickte man die Schüler auch mit einer "Hott" auf dem Rücken in den Wald zum Holz "räffe".
Text: Hermann Mosel, Stipshausen